Fidelity Champion Sensory Chess Challenger
Der Fidelity Champion Sensory Chess Challenger war ein 1981 vorgestellter Sensorbrett-Schachcomputer des amerikanischen Herstellers Fidelity Electronics. Das Gerät gehörte zu den ersten kommerziellen Fidelity-Modellen mit einem von Dan und Kathe Spracklen entwickelten Programm und nahm damit innerhalb der Firmengeschichte eine besondere Stellung ein. Es verband eine für seine Zeit beachtliche Spielstärke mit Komfortmerkmalen wie Sprachausgabe, Drucksensorbrett, umfangreichen Trainingsfunktionen und der Fähigkeit, auch während der Bedenkzeit des Gegners weiterzurechnen.
Einordnung
Der Champion Sensory Chess Challenger erschien in einer Phase, in der Fidelity seine Schachcomputer technisch und programmseitig deutlich weiterentwickelte. Während frühere Modelle der Reihe noch auf Programme von Ron Nelson zurückgingen, markierte dieses Gerät den Übergang zur später sehr erfolgreichen Spracklen-Generation. Damit stand der Champion am Beginn jener Entwicklungsreihe, aus der in den folgenden Jahren mehrere Weltmeister- und Spitzenmodelle hervorgingen.
In der Außendarstellung verwies Fidelity ausdrücklich auf die Erfolge bei der ersten Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft 1980 in London sowie bei der nordamerikanischen Meisterschaft in San Jose. Das serienmäßige Gerät entsprach zwar nicht einfach unverändert der damaligen Turniermaschine, war aber klar als deren verbesserter kommerzieller Nachfolger positioniert.
Technik
Im Inneren arbeitete ein 6502-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 1,95 MHz. Dem Programm standen 3 KB RAM zur Verfügung. Der Programmspeicher umfasste 28 KB ROM, hinzu kam ein separates Sprach-ROM mit 4 oder 8 KB. Für ein Gerät des Jahres 1981 stellte dies eine beachtliche Ausstattung dar.
Die Eingabe erfolgte über ein Drucksensorbrett, die Zugausgabe über 64 Feld-LEDs und eine 4-stellige 7-Segment-LED-Anzeige. Die Stromversorgung erfolgte über einen externen Transformator mit 8,5 Volt / 1,5 Ampere. Die Bibliothek umfasste etwa 3.500 Halbzüge.
Zu den hervorstechenden Besonderheiten zählten die elektronische Sprachausgabe mit Synthesizerstimme sowie ein Druckeranschluss. Mit einem optionalen Drucker konnten Partien vollständig protokolliert werden.
Spielstufen und Funktionen
Der Champion Sensory Chess Challenger bot acht Durchschnittszeitstufen', eine Analysestufe, frei programmierbare Zeitvorgaben sowie eine Mattsuchfunktion. Besonders modern war das sogenannte Permanent Brain: Der Computer nutzte erstmals auch die Bedenkzeit des Gegners, um seine Berechnungen fortzusetzen. Dadurch reagierte das Gerät in vielen Situationen deutlich schneller als ältere Modelle, die erst nach Eingabe des gegnerischen Zuges erneut mit der Suche begannen.
Das Gerät besaß zudem eine Reihe von Zusatzfunktionen, die über das reine Spielen hinausgingen. Dazu gehörten abgespeicherte 64 Meisterpartien sowie 64 Eröffnungsvarianten, die als Trainingsmaterial genutzt werden konnten. Weiterhin waren Rücknahmefunktionen, Schachuhrbetrieb und verschiedene Zeitkontrollmodi vorhanden. Bauernumwandlungen konnten in alle zulässigen Figuren erfolgen.
Lern- und Trainingsaspekte
Innerhalb der frühen Fidelity-Reihe nahm der Champion Sensory Chess Challenger auch deshalb eine Sonderrolle ein, weil er über klar erkennbare Lehr- und Trainingsfunktionen verfügte. Die gespeicherten Meisterpartien konnten nachgespielt werden, wobei der Benutzer die Züge erraten sollte. Daneben ließen sich vorbereitete Eröffnungsvarianten direkt über das Brett anwählen.
Damit war das Gerät nicht nur ein Spielpartner, sondern zugleich ein früher elektronischer Schachtrainer. In dieser Hinsicht war der Champion seiner Zeit voraus, denn die Verbindung aus Schachcomputer, Sprachansage, Trainingsmaterial und optionalem Ausdruck vollständiger Partien fand sich erst Jahre später wieder in ähnlicher Form bei anderen Herstellern.
Gestaltung und Ausstattung
Optisch war der Champion Sensory Chess Challenger ein repräsentatives Gerät der frühen 1980er Jahre. Das große Gehäuse mit Sensorbrett, LED-Feldanzeige und Sprachmodul verlieh ihm ein eigenständiges Erscheinungsbild. Hinzu kam die für Fidelity typische Kombination aus technischer Nüchternheit und demonstrativem Funktionsreichtum.
Zeitgenössische Werbung hob besonders hervor, dass das Gerät „denkt, sieht und spricht“. Gemeint waren damit das Sensorbrett, die optische Zuganzeige und die Sprachausgabe. Außerdem wurde auf das Holzgehäuse, magnetische Figuren und die vollständige elektronische Ausführung ohne mechanische Komponenten verwiesen.
Spielstärke und Bedeutung
Der Champion Sensory Chess Challenger gehörte zu den stärkeren kommerziellen Schachcomputern seiner Zeit. Vor allem historisch war er bedeutsam, weil er das erste breit verfügbare Fidelity-Gerät mit einem Spracklen-Programm war. Dieses Programmsystem bildete die Grundlage für zahlreiche spätere Fidelity-Erfolge und stellte einen klaren Fortschritt gegenüber älteren Nelson-Programmen dar.
Zugleich war das Gerät ein Bindeglied zwischen den frühen Sprach- und Sensormodellen von Fidelity und den späteren Hochleistungsgeräten wie dem Fidelity Elite Champion Sensory Chess Challenger. Es zeigte bereits wesentliche Merkmale, die für viele spätere Spitzenmodelle prägend wurden: effiziente Zeitausnutzung, solides Turnierspiel, umfangreiche Komfortfunktionen und eine für die Epoche bemerkenswerte Benutzerführung.
Abgrenzung innerhalb der Fidelity-Reihe
Der unmittelbare Vorgänger Fidelity Voice Sensory Chess Challenger besaß noch ein Programm von Ron Nelson. Der Champion Sensory Chess Challenger stellte deshalb keinen bloßen Modellwechsel dar, sondern einen deutlichen Generationssprung. Gegenüber den späteren Elite-Modellen war er allerdings noch niedriger getaktet und insgesamt einfacher ausgestattet.
Mit dem Fidelity Sensory 9 erschien später ein verwandtes Gerät, das an diese Entwicklungsstufe anknüpfte. Der Champion blieb jedoch das historisch wichtigere Modell, weil sich an ihm der Wechsel zur Spracklen-Ära besonders klar ablesen ließ.
Weblinks
Das Gerät enthält einige Schachaufgaben und wird daher wird im Artikel "Schachtrainer" etwas genauer betrachtet und mit anderen Geräten verglichen.
Aus diesem Artikel hier das Kapitel "Fidelity Champion Sensory Chess Challenger (1981)":
Der Dinosaurier im Teilnehmerfeld und gleichzeitig ein Pionier für die wesentlich später entdeckten Einsatzgebiete von Schachcomputern als Schachlehrer. Zusammen mit seinem optisch (bis auf den Champion Schriftzug) identischen Bruder CC Sensory Voice aus dem Jahr 1980, war der CC Sensory Champion der erste Schachcomputer mit programmierten Schachaufgaben. In beiden Modellen sind 64 Partien von Schachgroßmeistern abgespeichert, deren Züge man beim Nachspielen erraten soll. Außerdem können 64 Eröffnungslinien direkt über das Spielfeld zum Training ausgewählt werden. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Fidelity Schachcomputer aus dieser Zeit ist die blecherne, digitalisierte Ansage der Schachzüge und die Ausstattung mit 64 Feld LEDs bei einem Drucksensorbrett. Erst Jahre später wurden diese Innovationen in anderen Schachcomputern wieder aufgegriffen.
Fazit: Der "Champion" lebt natürlich von seinem nostalgischen Charme und dient hier lediglich als Reminiszenz an die frühe Ära der Schachcomputer. Dadurch entzieht er sich meiner Meinung nach jeder Bewertung, weil man ihn nicht mit den aktuelleren Geräten vergleichen kann.
YouTube Video by Vince Gum
