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Fidelity Elite Champion Sensory Chess Challenger

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Fidelity Elite Champion Sensory Chess Challenger
Stammdaten
Technik
4 MHz
RAM / ROM:
4 KB / 16 KB
Spielstufen
Turnier:
6
Analyse:
H
30 Sekunden:
2
60 Sekunden:
3
30 Minuten:
ja
60 Minuten:
ja
Ausstattung
Stufen:
8 x Durchschnittszeit, Analyse sowie programmierbare Stufen und Mattsuche
4-stellige 7-Segment LED Anzeige
64 Feld-LEDs
Maße:
20 x 20 cm Spielfeld
Netz 9V
Sprachausgabe mit Synthesizerstimme, 64 Meisterpartien, Druckeranschluss

Der Fidelity Elite Champion Sensory Chess Challenger war ein exklusiver Sensorbrett-Schachcomputer des amerikanischen Herstellers Fidelity Electronics, der Anfang der 1980er Jahre zu den stärksten kommerziell angebotenen Geräten seiner Klasse zählte. Das von Dan Spracklen und Kathe Spracklen entwickelte Programm basierte auf jener Programmfamilie, mit der Fidelity zu Beginn der 1980er Jahre große Erfolge im Turnierschach erzielte. Der Elite Champion verband eine für die Zeit hohe Spielstärke mit luxuriöser Ausstattung. Als Zubehör konnte ein Drucker zum Protokollieren der gespielten Partien angeschlossen werden. Die Auflage war auf 500 Stück limitiert, auf Wunsch erhielt der Besitzer seinen Namen in die Plakette auf der Stirnseite eingraviert.

Einordnung

Der Elite Champion nahm innerhalb der Fidelity-Produktpalette eine Sonderstellung ein. Während einfachere Modelle wie der [[ Fidelity Champion Sensory Chess Challenger|Champion Sensory Chess Challenger]] ein breiteres Publikum ansprachen, richtete sich der Elite Champion an anspruchsvolle Käufer, die nicht nur ein starkes Programm, sondern auch ein repräsentatives Gerät mit exklusivem Charakter suchten. Die auf 500 Exemplare begrenzte Auflage und die Möglichkeit einer individuellen Namensgravur auf der Stirnplakette unterstrichen diesen Premium-Anspruch zusätzlich.

Das Gerät stand zugleich in engem Zusammenhang mit den Erfolgen von Fidelity bei den Mikrocomputer-Weltmeisterschaften. Die eigentliche Turniermaschine, die 1981 in Travemünde eingesetzt wurde, arbeitete allerdings in einer aufgerüsteten Version mit spezieller Eröffnungsbibliothek und höherer Taktfrequenz. Der serienmäßige Elite Champion ist deshalb von der später bekannten Travemünde-Version zu unterscheiden.

Technik

Im Inneren arbeitete ein 6502-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 4 MHz. Dem Programm standen 4 KB RAM und 16 KB ROM zur Verfügung. Für Anfang der 1980er Jahre war dies eine leistungsfähige Konfiguration, die den Elite Champion deutlich über viele zeitgenössische Konkurrenzgeräte erhob.

Die Zugeingabe erfolgte über ein Drucksensorbrett. Die Zugausgabe wurde durch 64 Feld-LEDs sowie eine 4-stellige 7-Segment-LED-Anzeige unterstützt. Hinzu kamen eine elektronische Sprachausgabe mit Synthesizerstimme sowie die Möglichkeit, einen Drucker zum Protokollieren der Partie anzuschließen. Das Spielfeld maß rund 20 × 20 cm. Die Stromversorgung erfolgte über ein 9-Volt-Netzteil.

Die Eröffnungsbibliothek umfasste etwa 5.000 Halbzüge. Im Unterschied zu einfacheren Fidelity-Geräten war der Elite Champion nicht auf Lehrfunktionen oder Anfängerkomfort ausgelegt, sondern in erster Linie auf Spielstärke. Die Spielstufen umfassten acht Durchschnittszeitstufen, eine Analysestufe, programmierbare Zeitvorgaben sowie eine Mattsuche.

Gestaltung und Ausstattung

Der Elite Champion war äußerlich durch einen Holzrahmen und eine hochwertige Präsentation gekennzeichnet. Trotz des exklusiven Anspruchs blieb das eigentliche Sensorfeld vergleichsweise kompakt. Gerade dieser Kontrast zwischen leistungsstarkem Innenleben und eher funktionalem Spielbrett wurde in späteren Rückblicken mehrfach hervorgehoben. Zum Lieferumfang gehörten Unterlagen, die den besonderen Status des Geräts betonten, darunter Zertifikate und Qualitätsdokumente. Die limitierte Auflage von 500 Stück und die Möglichkeit, den Namen des Besitzers in die Stirnplakette eingravieren zu lassen, verliehen dem Gerät zusätzlich den Charakter eines exklusiven Sammlerstücks.

Spielstärke und Bedeutung

Das von den Spracklens entwickelte Programm gehörte zu den stärksten kommerziellen Schachprogrammen seiner Zeit. Der Elite Champion war den meisten damals erhältlichen Seriengeräten spielerisch überlegen und stand in direkter Verbindung zur erfolgreichen Fidelity-Turnierlinie jener Jahre. Seine Schwächen lagen vor allem in bestimmten elementaren Endspieltypen, wie es für viele Programme dieser Epoche typisch war. Dennoch zählte er zu den bemerkenswertesten Spitzenmodellen des frühen Computerschachs.

Historisch war der Elite Champion vor allem deshalb bedeutsam, weil er das Übergangsstadium zwischen den frühen Fidelity-Weltmeistergeräten und späteren, stärker verbreiteten Modellen markierte. Programmelemente des Elite flossen in vereinfachter Form auch in preisgünstigere Geräte ein. Damit stand das Modell nicht nur für Exklusivität, sondern auch für einen wichtigen Entwicklungsschritt innerhalb der Fidelity-Produktgeschichte.

Abgrenzung zur Travemünde-Version

Vom Fidelity Sensory Chess Challenger Elite Champion Travemünde unterschied sich die Serienversion vor allem durch ihre Standardtaktung von 4 MHz. Die in Travemünde eingesetzte beziehungsweise darauf zurückgehende Sonderversion war auf 5 MHz hochgetaktet und verfügte über eine speziell vorbereitete Eröffnungsbibliothek für den Turniereinsatz. Dadurch nahm die Travemünde-Ausführung innerhalb der Elite-Champion-Familie eine eigene Stellung ein, während der normale Elite Champion die exklusive Serienversion darstellte.

Sammlerstatus

Heute gilt der Elite Champion als eines der begehrtesten Fidelity-Geräte der frühen 1980er Jahre. Seine geringe Stückzahl, die hochwertige Präsentation, die Möglichkeit einer personalisierten Stirnplakette und die Nähe zur damaligen Turnierspitze machen ihn zu einem besonders geschätzten Sammlerobjekt. Innerhalb der Fidelity-Historie stand er für den Versuch, höchste Spielstärke mit einem bewusst exklusiven Marktauftritt zu verbinden.

Weblinks

Bilder

Oldies but Goldies

Chess Challenger Elite Champion

Karsten Bauermeister (aus Computer Schach & Spiele / Heft 5 / Oktober-November 1995)

Wieder einmal hat unser Mitarbeiter Karsten Bauermeister tief in seiner Asservatenkammer gekramt und ein wirklich interessantes Stück zutage gefördert. Der Chess Challenger Elite Champion war seinerzeit das erste Spitzenprodukt, das Dan und Kathe Spracklen für Fidelity programmierten.

Wissen Sie eigentlich, wer Ihren Schachcomputer programmiert bzw. zusammengeschraubt hat? Nein? Dann gehören Sie nicht zu den glücklichen Menschen, die Besitzer eines Chess Challenger Elite Champion sind. Denn beim Kauf dieses Gerätes wurde dem stolzen Besitzer eine Urkunde mit 25 Namen der an der Entwicklung und Produktion des Gerätes beteiligten Personen mitgeliefert. Als wäre der Käufer damit noch nicht genug geadelt, war vorn am Holzrahmen des Computers ein Messingschild befestigt auf dem der Käufer seinen Namen eingravieren lassen konnten.

Dies war übrigens der einzige äußerliche Unterschied zum kleinen Bruder des Elite, dem gewöhnlichen Chess Challenger Champion, den man für schlappe 998,- DM erstehen durfte. Dennoch konnte bei Erscheinen des Gerätes Ende 1981 nicht jeder in das nächste Kaufhaus gehen und es mit einem Elite Champion wieder verlassen. Zwei entscheidende Hürden gab es bei seinem Erwerb zu überwinden. Da war zunächst der exorbitant hohe Preis von anfangs 4000,- DM! Er war zwar bis Mitte 1982 auf "zivile" 2400,- DM gefallen, doch schwerer wog wohl das zweite Hindernis. Der Elite Champion wurde nämlich nur in einer weltweit begrenzten Auflage von 500 Stück hergestellt.

Teure Technik

Der Preis war durch zwei Faktoren begründet. Das 24 KB-Programm war nämlich identisch mit dem des Weltmeistergerätes der experimentellen Klasse von Travemünde 1981. Es stammte von Dan und Kathe Spracklen, die für den Champion und den Elite Champion ihre ersten Fidelity-Programme geschrieben hatten.

Der zweite Kostenfaktor betraf die verwendeten selektierten Bauteile: Der Elite Champion besaß einen 6502-Prozessor mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 4 MHz. Der einzige Unterschied zum WM-Gerät lag in der Taktfrequenz, die beim WM-Gerät traumhafte 5 MHz erreichte. Zur Verdeutlichung: Als fünf Jahre später das Mephisto-Rebel-Programm auf dem Markt erschien, freuten wir uns über diesen für damalige Verhältnisse schnellen Takt.

Bislang in Deutschland undokumentiert ist übrigens die Tatsache, dass die ersten sechs Geräte (Nr. 001 - 006) mit einem abgespeckten, schachlich im Wesentlichen aber identischen Programm ausgeliefert wurden. Erkennbar ist dies an der Ausstattung dieser Geräte. Während die späteren Elite einen Rolliermodus besaßen, der im Dreisekunden-Rhythmus die Stellungsbewertung, die Rechentiefe und den erwogenen Zug anzeigte, konnte bei den ersten Geräten durch Druck auf die LV-Taste lediglich die Rechentiefe abgefragt werden. Eigene Vergleiche mit beiden Versionen zeigten aber nur minimale Unterschiede im Rechenverhalten.

Tolle Ausstattung

Die Ausstattung des Computers befriedigte ebenfalls gehobene Ansprüche. Das Eröffnungsrepertoire umfasste ca. 5000 Halbzüge, die allerdings nicht wie beim kleinen Bruder Chess Challenger Champion abgefragt werden konnten. Auch die 64 Lehrpartien des normalen Champion wollte man den fortgeschrittenen Spielern, die als Kunden des Elite in Frage kamen, nicht zumuten.

Dafür hatte der Elite natürlich ebenfalls die blecherne Stimme aller Luxus-Chess Challenger, die im Deutschen übrigens einen recht originellen Sprachfehler aufweist. Statt Rochade sagen die Geräte "Onad". Mit viel gutem Willen könnte man auch "Rosthau" verstehen.

Das einzige, was diesem Spitzengerät wirklich fehlte, war ein standesgemäßes Äußeres. Die Züge mussten auf einem 20 x 20 cm großen Drucksensorbrett eingegeben werden, was noch dazu einen leicht grünlichen Schimmer aufwies. Lediglich ein Holzrahmen um das Gehäuse verhieß einen Hauch von Luxus. Die Verbindung zwischen dem stärksten Fidelity-Programm und einem Edelholzbrett in Turniergröße konnte man erst 1982 in Form des Fidelity Prestige erwerben, dem wir uns vielleicht in einer späteren Ausgabe widmen.

Starkes Programm

Die Spracklens, die mit Sargon 2.5 1980 bereits einmal das stärkste Schachprogramm der Welt geschrieben hatten, bürgten auch beim Elite für höchste Spielstärke. In der Tat konnten weder der kommerzielle Weltmeister Chess Champion MK V noch der neue Mephisto II oder das Multi-Game-System von Applied Concepts in der Spielstärke mit dem Elite mithalten. Hier eine kleine Kostprobe, die vom Elite mit der Nummer 1 stammt!

Interaktive Partieanalyse

Bei der Weltmeisterschaft hatte der Elite in der ersten Runde gegen Philidor, die experimentelle Version des Chess Champion MK V, verloren, konnte jedoch alle sechs weiteren Partien gewinnen und wurde mit 6 aus 7 mit einem vollen Punkt Vorsprung noch Weltmeister. Natürlich hatte der Elite auch eklatante Schwächen. Die Quadratregel oder die Opposition waren dem Computer ebenso fremd wie die Mattführung mit Läufer und Springer.

Der kleine Elite

1982 brachte Fidelity den Sensory 9 für nur 500,- DM auf den Markt. Die Ausstattung war kärglich, aber das Programm konnte auf Anhieb begeistern. Es handelte sich um ein weiterentwickeltes Elite-Programm, dem nun auch einige elementare Endspielkenntnisse eingegeben worden waren.

Fidelity hatte mit diesem Gerät eine neue, später vielfach erfolgreiche Strategie ausprobiert: ein starkes Programm, das in einem einfachen Gehäuse steckte. Das Gerät war nun komplett aus Kunststoff gefertigt, hatte kein Display und lief auch nur mit 1,5 MHz. Trotzdem wurde es ein Renner und war ein Eckpfeiler des Erfolges von Fidelity-Schachcomputern Anfang der achtziger Jahre. Erst der steigende Dollarkurs ab 1984 stoppte deren Siegeszug in Europa und brachte Hegener und Glaser mit ihren Mephisto-Schachcomputern die Marktherrschaft in Deutschland. Aber das Charisma eines Elite strahlten nur wenige Mephistos aus.

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