Novag Constellation Expert
Der Novag Constellation Expert war ein Schachcomputer des Herstellers Novag, der 1985 auf den Markt kam. Er gehörte zur Constellation-Familie von David Kittinger und galt als unmittelbarer Nachfolger des legendären Super Constellation. Das Gerät verband ein großes Edelholz-Sensorbrett mit einem spielstarken 8-Bit-Programm und war im gehobenen Marktsegment angesiedelt.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Modell bereits vor seiner Serienreife: Auf der Nürnberger Spielwarenmesse im Februar 1985 wurde der spätere Constellation Expert unter der firmeninternen Arbeitsbezeichnung „XY-Monster“ vorgestellt. Nach der Weltmeisterschaft 1985 begann der Serienverkauf zu einem Preis von 1.495 DM.
Entwicklung und Einordnung
Mit dem Constellation Expert setzte Novag die erfolgreiche Constellation-Linie im Premiumsegment fort. Das Gerät war äußerlich deutlich luxuriöser ausgeführt als viele frühere Novag-Modelle und richtete sich an Käufer, die Wert auf ein großes Holzbrett, hochwertige Figuren und hohe Spielstärke legten. Programmtechnisch basierte der Computer auf der von David Kittinger entwickelten Constellation-Architektur, die bereits beim Super Constellation zu hohem Ansehen gelangt war.
Der Constellation Expert wurde allgemein als legitimer Nachfolger des Super Constellation angesehen. Beide Geräte teilten zentrale Konstruktions- und Bedienungsprinzipien, insbesondere die Anzeige der Rechentiefe über Leuchtdioden. Während der Super Constellation hierfür die linken Rand-LEDs benutzte, erfolgte die Tiefenanzeige beim Constellation Expert über die LEDs der Felder A1 bis A8. Trotz zahlreicher Verbesserungen verzichtete Novag weiterhin auf ein eingebautes alphanumerisches Display.
Prototyp „XY-Monster“
Von besonderem historischem Interesse war die frühe Entwicklungsphase des Geräts. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse im Februar 1985 zeigte Novag einen neuen Holzbrettcomputer unter der Arbeitsbezeichnung „XY-Monster“. Zeitgenössische Berichte schilderten, dass zu diesem Zeitpunkt noch zahlreiche Details offen waren. Der Prototyp besaß Rand-LEDs und ein einfaches Display, das auf der Messe lediglich die Zeit anzeigte. Auch die äußere Gestaltung war noch nicht endgültig festgelegt.
Der Prototyp sorgte dennoch für Aufsehen. In Messeberichten wurde hervorgehoben, dass das Gerät im Blitzschach überraschend stark auftrat. Dabei wurde der Name „Monster“ nicht nur als interne Arbeitsbezeichnung, sondern auch als publizistischer Spitzname verwendet. In anderen zeitgenössischen Quellen war zudem von Monster X und Monster Y die Rede, mit denen Novag experimentelle Versionen des Programms bei Turnieren einsetzte.
Frühe Berichte nannten für das geplante Seriengerät teils einen Programmspeicher von 80 KB. Die später in den Handel gekommene Serienversion des Constellation Expert wurde jedoch mit 64 KB ROM und 4 KB RAM ausgeliefert. Damit spiegelten die verschiedenen Angaben die noch im Fluss befindliche Entwicklungsphase des Modells wider.
Technik
Im Constellation Expert arbeitete ein 65C02-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 4 MHz. Die Serienausführung verfügte über 64 KB ROM und 4 KB RAM. Ab März 1987 wurden Versionen mit 5 MHz ausgeliefert; gegen Aufpreis war auch eine 6-MHz-Ausführung erhältlich. In Sammlerkreisen waren zudem Tuning-Varianten bis 7 MHz bekannt.
Das Gerät besaß ein großes Magnetsensorbrett mit 64 Feld-LEDs zur Zugausgabe. Ein separates Display fehlte. Die Brettgröße betrug rund 34 cm, die Königshöhe etwa 76 mm. Die Stromversorgung erfolgte über ein Netzteil mit 8,5 V Wechselspannung bei 850 mA.
Bedienkonzept
Die Eingabe der Züge erfolgte direkt auf dem Sensorbrett. Die Zugausgabe und verschiedene Informationsanzeigen wurden über die Leuchtdioden auf den Feldern realisiert. Typisch für das Gerät war die Anzeige der Rechentiefe in Halbzügen über die LEDs der A-Linie. Dieses System erinnerte an eine Dualdarstellung: Je nach Kombination der leuchtenden LEDs ließ sich die aktuelle Suchtiefe ablesen. Auch Mattankündigungen wurden auf ähnliche Weise signalisiert.
Das Bedienfeld ermöglichte den Zugriff auf zahlreiche Sonderfunktionen. Dazu zählten unter anderem Zugvorschläge, Zugrücknahme bis zur ganzen Partie, Schiedsrichterfunktion, automatische Stellungskontrolle und die Beobachtung laufender Zugberechnungen. Hinzu kam eine Restore-Funktion, mit der zu einer zuvor eingegebenen Stellung zurückgesprungen werden konnte. Gerade für Analysezwecke war dies eine bemerkenswert komfortable Lösung.
Spielstufen
Der Novag Constellation Expert verfügte über insgesamt 29 Spielstufen:
- 14 reguläre Spielstufen mit vorgegebener Zugzahl, Kontrollzeit und durchschnittlicher Antwortzeit
- 14 Trainingsstufen mit fest vorgegebener Rechentiefe
- 1 Unendlichstufe für Analysezwecke
| STUFE | RECHENTIEFE |
|---|---|
| 1 | 1 Halbzug |
| 2 | 2 Halbzüge |
| 3 | 3 Halbzüge |
| 4 | 4 Halbzüge |
| 5 | 5 Halbzüge |
| 6 | 6 Halbzüge |
| 7 | 7 Halbzüge |
| 8 | 8 Halbzüge |
| 9 | 9 Halbzüge |
| 10 | 10 Halbzüge |
| 11 | 11 Halbzüge |
| 12 | 12 Halbzüge |
| 13 | 13 Halbzüge |
| 14 | 14 Halbzüge |
| STUFE | ZÜGE | KONTROLLZEIT | DURCHSCHN. ANTWORTZEIT |
|---|---|---|---|
| 1 | 60 | 5 Min. | 5 Sek. |
| 2 | 40 | 5 Min. | 7,5 Sek. |
| 3 | 60 | 30 Min. | 30 Sek. |
| 4 | 30 | 30 Min. | 60 Sek. |
| 5 | 30 | 60 Min. | 20 Min. |
| 6 | 40 | 90 Min. | 2,25 Min. |
| 7 | 40 | 2 Std. | 3 Min. |
| 8 | 40 | 2,5 Std. | 3,75 Min. |
| 9 | 60 | 2,5 Std. | 2,5 Sek. |
| 10 | 60 | 10 Min. | 15 Sek. |
| 11 | 40 | 30 Min. | 45 Sek. |
| 12 | 40 | 60 Min. | 90 Sek. |
| 13 | 40 | 100 Min. | 2,5 Min. |
| 14 | 45 | 2,5 Std. | 3,3 Min. |
Unendlichstufe
Die Unendlichstufe diente Analysezwecken. In dieser Sonderstufe war die Rechenzeit unbegrenzt. Der Computer zeigte einen Zug nur dann an, wenn er ein Matt sah.
Hinweise
Die Spielstufe konnte auf zwei Arten gewählt werden:
- durch wiederholtes Drücken von SET LEVEL bis zur gewünschten Stufe
- durch direkte Anwahl über die Felder der a-Linie (a1 = Stufe 1, a2 = Stufe 2 usw.)
Die LEDs der a-Linie zeigten gleichzeitig auch die jeweils aktive Spielstufe an. Stufen oberhalb von 8 wurden durch LED-Kombinationen dargestellt.
Programm und Spielweise
Das von David Kittinger entwickelte Programm gehörte zur erweiterten Constellation-Familie und war auf natürliche, aktive und taktisch scharfe Spielweise ausgelegt. Zeitgenössische Beschreibungen hoben hervor, dass der Constellation Expert nicht nur schnell rechnete, sondern auch für einen Schachcomputer seiner Zeit ungewöhnlich „menschlich“ wirkte.
Das Programm bot 29 Spielstufen, darunter Turnier-, Trainings- und Analysestufen. Die Eröffnungsbibliothek umfasste 22.000 Halbzüge. Zusätzlich konnte zwischen einer Turnier- und einer Gambit-Bibliothek gewählt werden. Weitere Merkmale waren ein Eröffnungsmemory, ein Spielspeicher nach dem Abschalten, ein 20-Partien-Speicher zur Vermeidung von Eröffnungswiederholungen und ein zuschaltbarer Zufallsgenerator.
Der Constellation Expert löste Mattprobleme bis zu Matt in 14 Zügen. Außerdem beherrschte er die Mattführung mit König, Läufer und Springer gegen König. Die Anzeige der Rechentiefe reichte bis 27 Halbzüge. In der Wiki-Elo-Liste von Schachcomputer.info wird das Gerät mit einer CElo von rund 1900 geführt, mit angeschlossenem TurboKit TK20 war eine leichte weitere Steigerung möglich.
Unterschiede zum Super Constellation
Obwohl der Constellation Expert als Nachfolger des Super Constellation galt, handelte es sich nicht um eine bloße Gehäusevariante. Gegenüber dem Vorgänger bot er ein edleres Holzgehäuse, eine größere Bibliothek, mehr Spielstufen sowie zusätzliche Komfortfunktionen wie die zuschaltbare Gambitbibliothek und den Autoplay-Modus.
Ein markanter Unterschied bestand jedoch darin, dass der Constellation Expert keine frei programmierbare Eröffnungsbibliothek mehr besaß. Diese Möglichkeit war beim Super Constellation vorhanden und wurde von manchen Nutzern vermisst. Auch das Fehlen eines integrierten Displays wurde als Nachteil gesehen, zumal Konkurrenzmodelle der mittleren und oberen Klasse zu dieser Zeit zunehmend komfortablere Anzeigelösungen boten.
Peripherie
Der Constellation Expert besaß Anschlüsse für eine externe Novag Schachuhr und den Novag Drucker. Über den Drucker ließen sich zusätzliche Informationen wie Zugzeit, Summenzeit, Zugnotation und Stellungsbewertung ausgeben. Gerade wegen des fehlenden Displays gewann dieses Zubehör in der Praxis an Bedeutung.
In Werbeunterlagen wurde zudem ein Interface für Apple-Computer erwähnt. Dies zeigte, dass Novag das Gerät als Teil eines ausbaufähigen Systems verstand und nicht nur als isolierten Brettcomputer.
Rezeption
Der Constellation Expert wurde vor allem für seine hochwertige Verarbeitung, das elegante Edelholzbrett, die großzügig dimensionierten Figuren und die hervorragenden Magnetsensoren gelobt. Auch die Spielstärke wurde als gut eingeschätz, insbesondere taktisch galt das Gerät als gefährlicher Gegner.
Kritik entzündete sich vor allem am hohen Preis und am fehlenden Display. Gerade im direkten Vergleich mit Geräten wie dem Mephisto Exclusive MM II wirkte es auf manche Beobachter wenig zeitgemäß, dass wichtige Zusatzinformationen nur über einen anschließbaren Drucker komfortabel verfügbar waren. Dennoch blieb der Constellation Expert wegen seiner Spielstärke, seines Designs und seiner historischen Stellung innerhalb der Novag-Reihe ein bemerkenswertes Modell.
Bedeutung
Der Novag Constellation Expert markierte eine wichtige Übergangsphase in der Geschichte der Novag-Schachcomputer. Einerseits stand er noch in der Tradition der displaylosen, stark auf das Brett konzentrierten Constellation-Geräte. Andererseits wies er mit seinem luxuriösen Gehäuse, seinen erweiterten Komfortfunktionen und seiner Entstehung aus einem experimentellen Prototypenprogramm bereits auf die späteren Spitzenmodelle der Firma voraus.
Als Seriengerät, das aus dem Messeprototypen XY-Monster hervorging, verband der Constellation Expert auf besondere Weise Entwicklungs-, Turnier- und Marktgeschichte. Er gehörte damit zu den charakteristischen Premium-Schachcomputern der Mitte der 1980er Jahre.
Weblinks
- Quellensammlung zum Novag Constellation Expert bei Hein Veldhuis
- Novag XY-Monster (prototype) bei Hein Veldhuis
Zwei, die aus dem Schatten kamen
NOVAG Expert und Mephisto Exclusive MM II (aus Computer Schach & Spiele / Heft 2 / April-Mai 1986)
Mit dem Super Constellation, dessen Ruhm noch immer allerorten besungen wird, hatte der fernöstliche Hersteller NOVAG einst ein tolles Eisen im Feuer. Die Münchner Firma Hegener & Glaser trumpfte im vergangenen Herbst (1985) mit ihrem 16-Bit-Programm in Amsterdam auf, das trotz des hohen Preises ein Verkaufserfolg wurde. Vergleichsweise ein Schattendasein fristen dagegen zwei Schachcomputer aus dem zweiten Glied der Produktpaletten beider Firmen: NOVAG's "Expert" und das Modul "MM II" von Hegener & Glaser. Bernd Schneider untersuchte, wie es um diese Geräte bestellt ist.
Immerhin kann sich das MM-II-Programm, das mit dem Conchess "Plymate" identisch ist, wenigstens noch mit dem Lorbeer behängen, auf der WM in Amsterdam Zweiter geworden zu sein. Für den Expert wenig Trost: Bei der WM reichte es nur für den letzten Tabellenplatz. Dabei war das gleiche Gerät noch auf der letztjährigen Spielwarenmesse als "Blitzmonster" hoch gelobt worden.
Hinzu kommen weitere Nachteile: Die Fachwelt hatte von NOVAG schon lange ein Gerät mit einem Anzeigeelement (Display) erwartet, doch der Expert weist immer noch keines auf. Zwar bietet er Anzeigemöglichkeiten im üblichen Umfang über den anschließbaren NOVAG-Thermodrucker. Nur, das Gerät, das ohnehin mit ca. DM 1.500,-Verkaufspreis weit über dem Niveau der Konkurrenz aus München liegt, wird durch den Drucker noch einmal um rund DM 300,- teurer. Dies sind sicher Handicaps, die es dem Expert schwer machen, mit dem Mephisto Exclusive MM II mitzuhalten - zumindest, wenn man alles völlig nüchtern betrachtet.
Schachcomputer werden jedoch mit Sicherheit nicht nur nach rein "vernünftigen" Motiven gekauft. (Wer vernünftig sein will, dem genügt meist das billigste 16-K-Modell.) Wie sonst könnten die Hersteller ständig neue Geräte im Holzgehäuse und für mindestens DM 1.000,- produzieren? Offensichtlich gibt es da einen besonderen Kundenkreis.
Im Falle unserer beiden "Kontrahenten" haben sich die Hersteller jedenfalls klar für den "Luxus" entschieden. Beide kommen im Holzgehäuse daher. Das Programm MM II gibt es zwar auch als "Modular" im Kunststoffgehäuse, aber wir wollen unseren Vergleich auf die 200 Mark teurere Exclusive-Ausführung konzentrieren. Sowohl dem Mephisto als auch dem Expert muss man zugestehen, dass sie äußerlich sehr schön sind. Dunkles Holz, ein wenig barocke Ausführung der (knapp 5 cm hohen) Brettseiten, saubere handwerkliche Ausführung. Die Spielfelder beider Geräte sind 32 x 32 cm groß, bezüglich der Gesamtgröße überragt der Expert (40 x 47,5 cm) jedoch den Mephisto (40 x 40 cm) - eine Folge des bei letzterem seitlich angesetzten Tastenfeldes. Beim Mephisto verschwindet dieses nach altbekannter Art in einer Schublade innerhalb des Gerätes. Welcher Variante man den Vorzug geben will, ist sicher Geschmacksache.
Die Technik
Wer schwere Geräte bevorzugt (falls dies je eine Rolle beim Kauf eines Computers gespielt hat), der muss den 3,5kg Mephisto dem 3kg NOVAG Gerät vorziehen. Ansonsten aber findet er fast nur noch Gemeinsames, nämlich gut ansprechende Magnetkontakte in den Feldern (die des Expert verdienen sogar das Prädikat "hervorragend"), gute Tastaturen und sehr schöne Holzfiguren. Dabei wirken die etwas großzügiger bemessenen Figuren des Expert (Königshöhe 8 cm, Mephisto: 7 cm) optisch gelungener. Die Spielfeldeinfassung des Expert ist nur als schwarze Linie ausgeführt, was das Gerät als ganzes dunkler und "gediegener" erscheinen lässt.
Im Herzen des Expert schlägt ein echter 65CO2-Prozessor. Mit welcher Frequenz, verriet der Quarz daneben nicht, offiziell werden jedoch 4 MHz angegeben. Der 6502 des Mephisto tut's et-was langsamer mit nur 3,7 MHz, was übrigens in der Rechengeschwindigkeit ziemlich genau auf die Conchess-S-Modelle hinausläuft. Diese arbeiten zwar mit nur 3,2 MHz, haben dafür aber nicht die geschwindigkeitsmindernden Anzeigemöglichkeiten des MM II. Als da sind (nach Drücken von "INFO"): Stellungsbewertung in strengen Sprüngen von 0,11 Einheiten, Vier-Zeiten-Uhr, Suchtiefe in Halbzügen, Zugzähler und Hauptvariante mit fünf Zügen.
Vor dieser Fülle von Anzeigemöglichkeiten muss der Expert zunächst passen. Er zeigt lediglich ala Superconny die Suchtiefe über die Leuchtdioden am Brettrand an. Auch Matts werden auf diese Weise angekündigt. Schließt man jedoch den Drucker an, wird die Sache ebenso komfortabel wie bei der Konkurrenz. Auf dem sechs Zentimeter breiten Papierstreifen - und damit auch nach der Partie noch verfügbar - stehen alle Daten zur Verfügung: Zugzähler, Zugzeiten und Stellungsbewertung, letztere übrigens für beide Seiten getrennt aufgeführt.
In der Akustik gemahnen beide Geräte an ihre Verwandtschaft. Der Expert piept Superconny like, der Mephisto Modular II tönt wie die Conchess-Modelle. Gegenüber dem legendären Superconny hat der Expert noch ein paar Features hinzugewonnen: Wie beim Elite blinken jetzt zwei LEDs wechselweise, während das Gerät "denkt", ferner kann der Benutzer eine Gambit- oder Turnierbibliothek anwählen - eine wirklich erfreuliche Anpassungsmöglichkeit an die jeweilige Laune des Benutzers -, und er kann den Computer im Autoplay laufen lassen. Dann muss er allerdings, falls er die Partie "live" verfolgen will, mit dem Setzen der Figuren auf den untersten Spielstufen recht fix sein, denn der Expert wartet nicht auf die Zugausführung, sondern macht munter weiter. Ein letztes, besonders herausragendes, Charakteristikum des Expert ist seine Fähigkeit, über die Tastenkombination SET LEVEL/RESTORE zu einer einmal aufgesetzten Stellung "zurückzuspringen". Nützlich bei Stellungsanalysen!
Das muss man beim Mephisto wirklich beanstanden: Nach einer Partie ist es nicht möglich, per Tastendruck zum Partieanfang zu springen. Wer etwas nachspielen will - etwa, um ein interessantes Spiel aufzuschreiben -, muss vorher alle Züge rückwärtsspielen.
Mephisto: Logische Bedienung...
Dass der Expert einen "Puffer" von zwanzig Partien zum Zwecke der Vermeidung langweilender Wiederholungen besitzt, verkündet zwar der NOVAG-Prospekt, in der Bedienungsanleitung jedoch findet sich kein Hinweis darauf. Der interne Speicher des Gerätes kann übrigens bei Störungen über einen Schalter an der Unterseite des Gehäuses jederzeit gelöscht werden. Derlei Annehmlichkeiten kann der Mephisto nicht bieten. Dafür wartet er mit dem bekannten 16-Tasten-Feld auf, dessen Bedienung man schnell begreift und die durch ihre Logik besticht. Zug zurücknehmen: MEM zweimal drücken. Wieder vorspielen: Dieselbe Taste noch einmal drücken. Über LEV wählt man Spielstufen und Sonderfunktionen (Ton aus, Brett drehen) an, LEV/MEM liefert den Monitor-Modus. Das interne Brett leert man mit POS/ENT und für ganz neue Spiele müssen zwei RES-(Reset)-Tasten gleichzeitig bedient werden, um versehentliches Löschen zu vermeiden. Figuren werden so eingeben: POS drücken, dazu Figurensymbol und Figur einfach aufstellen. In dieser Hinsicht ist der Mephisto dem Expert deutlich überlegen, denn beim NOVAG-Gerät gestalten sich Stellungseingaben wesentlich diffiziler.
...dank Display
Die Bedienung des Mephisto ist logischer und klarer als die des Expert, man begeht wesentlich weniger Fehler. Außerdem hilft einem in allen Phasen des Spieles oder der Analyse das vielgerühmte Display. Doch auch hier schafft der Printer des Expert einen Ausgleich: Er kann die gesamte Figurenaufstellung zu jedem Zeitpunkt einer Partie ausdrucken. Während der Mephisto konservativ bleibt, bietet der Expert einige reizvolle, zusätzliche Funktionen: Will man einen irrigen Zug zurücknehmen, so kann dies im Gegensatz zum Mephisto während der Rechenphase des Gerätes geschehen. HINT (Zugvorschlag bzw. erster Zug der Hauptvariante) liefert stets eine Antwort, auch sofort nach dem Aufsetzen einer Stellung. Schaltet man den "Sound" ab (er kann beim Expert in der Tat ein wenig nerven), werden dennoch beendete Rechenphasen akustisch angezeigt: Gut!
Die Spielstufen kann man neuerdings (im Gegensatz zum Superconny und seinen Vorläufern) auch durch aufgesetzte Figuren wie bei den Fidelity-Geräten anwählen. Lässt man Partien ausdrucken, fehlt hingegen die vollständige Notation, die noch beim Super-Constellation über FORMSIZE geschaltet werden konnte.
Beide Geräte zeigen Zugalternativen an: Beim Mephisto aktivieren zwei Tasten den Zufallsgenerator, während der Expert über NEXT BEST eben diesen zeigt. Die Anleitungsbücher beider Geräte verdienen die Note "Gut", allerdings fängt man bei Hegener & Glaser so ziemlich bei Adam und Eva an, während sich NOVAG mit Flussdiagramm-Darstellungen eindeutig an den Experten wendet (doch nicht da-her der Name: Ein "Expert" ist im Angelsächsischen ein Spieler mit mehr als 2200 Elo).
Wermutstropfen
In die Freude über den Drucker als brauchbare und teilweise überlegene Alternative zum Display mischte sich im Testverlauf ein Wermutstropfen: Das Netzgerät des Druckers (24 Volt) gab unverhofft den Geist auf. Eine Nachfrage beim NOVAG-Importeur, der Fa. Zens in Nürnberg, ergab, dass diese Netzgeräte irreparabel kaputt gehen können, wenn man zuerst den Gerätestecker an-stelle des Netzsteckers herauszieht (!). Wenn so etwas im Jahre 1986 überhaupt noch vorkommt, sollte der Betriebsanleitung des Druckers wenigstens ein Hinweis beigefügt sein. Doch genau dies ist nicht der Fall.
Die Spielstärke
Doch nun zum Kapitel Spielstärke. Die besagten "Verwandten", der Mephisto Amsterdam und der Super Constellation, gelten als ziemliche Asse, ersterer besonders in positioneller Hinsicht, letzterer als guter Blitzer.
In der Tat liegt auch beim Expert hier eine enorme Stärke. Einem erstem Eindruck zufolge hat das neue 64-K-Programm positionell an Verständnis gewonnen, ohne taktisch wesentlich schwächer geworden zu sein (siehe Colditz-Test). Die Vergrößerung des ROM-Inhaltes gegenüber dem Superconny um 8 KByte wird zum Teil durch die auf 22000 (Conny: 20000) Halbzüge vergrößerte Eröffnungsbibliothek sowie die hinzugekommenen Features erklärlich. Alles in allem dürfte es sich also um ein (positionell) leicht verbessertes Superconny-Programm handeln. Tatsächlich zeigen sich zwischen Expert und Super Constellation sowohl im Colditz- als auch im "Scheidl"-Test (vgl. CSS 1/86, S.30) große Profilähnlichkeiten, die diese Annahme stützen. Erfreulicherweise ist Connys attraktivste Eigenschaft, das (Qualitäts-)Opfer vielerorten, erhalten geblieben. Das erstaunliche Qualitätsopfer 17.Se3! aus CSS 6/84 ("Safe-Knacker") spielt auch der Expert, und zwar nach wenigen Sekunden.
Gerüchte, die besagen, dass der Expert im direkten Vergleich mit dem Super Constellation schlechter abschneide, können wir aufgrund noch Zuwenig gespielter Partien nicht bestätigen - allerdings auch nicht widerlegen. Mit Sicherheit jedoch ist er gerade im 5-Minuten-Blitz ein gewaltiger Gegner. Dies beweisen nicht zuletzt seine Partien gegen den MM II (siehe Partiebeispiele).
| NR. | MAX PKT. | NOVAG EXPERT | MEPHISTO MM II | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| STUFE | ZEIT | PKT. | STUFE | ZEIT | PKT. | ||
| 91 | 50 | 1 | 0'02 | 50 | 1 | 0'07 | 50 |
| 92 | 50 | 1 | 0'20 | 50 | 1 | 0'09 | 50 |
| 93 | 50 | 1 | 0'03 | 50 | 1 | 0'03 | 50 |
| 94 | 60 | 1 | 0'04 | 60 | 1 | 0'11 | 60 |
| 95 | 60 | 1 | 0'06 | 60 | 1 | 0'05 | 60 |
| 96 | 70 | 3 | 0'14 | 70 | 4 | 0'34 | 70 |
| 97 | 70 | 3 | 0'25 | 70 | 4 | 0'33 | 70 |
| 98 | 70 | 1 | 0'06 | 70 | 1 | 0'11 | 70 |
| 99 | 80 | 1 | 0'07 | 80 | 5 | 1'03 | 76 |
| 100 | 80 | 1 | 0'03 | 80 | 1 | 0'11 | 80 |
| 101 | 50 | 5 | 2'10 | 45 | 4 | 0'35 | 50 |
| 102 | 50 | 8 | 4'18 | 40 | 6 | 2'05 | 45 |
| 103 | 50 | 1 | 0'06 | 50 | 1 | 0'05 | 50 |
| 104 | 60 | 2 | 0'08 | 60 | 1 | 0'08 | 60 |
| 105 | 60 | 1 | 0'07 | 60 | 1 | 0'06 | 60 |
| 106 | 70 | A | — | — | 9 | 13'50 | 35 |
| 107 | 70 | 5 | 1'50 | 66,5 | 1 | 0'15 | 70 |
| 108 | 80 | 1 | 0'05 | 80 | 1 | 0'12 | 80 |
| 109 | 80 | 1 | 0'04 | 80 | 1 | 0'03 | 80 |
| 110 | 80 | A | 11' | 40 | 9 | 5'22 | 60 |
| 111 | 50 | 1 | 0'07 | 50 | 1 | 0'03 | 50 |
| 112 | 50 | 1 | 0'05 | 50 | 1 | 0'03 | 50 |
| 113 | 60 | 1 | 0'03 | 60 | 1 | 0'04 | 60 |
| 114 | 60 | 1 | 0'03 | 60 | 1 | 0'01 | 60 |
| 115 | 70 | 4 | 1'17 | 66,5 | 1 | 0'06 | 70 |
| 116 | 70 | 3 | 0'36 | 70 | 1 | 0'11 | 70 |
| 117 | 70 | — | — | — | 9 | — | — |
| 118 | 80 | 1 | 0'04 | 80 | 1 | 0'05 | 80 |
| 119 | 80 | 3 | 0'38 | 80 | 5 | 1'04 | 76 |
| 120 | 80 | 1 | 0'07 | 80 | 1 | 0'06 | 80 |
| GESAMT / ELO | 1758 Pkt. = ELO 1970 | 1822 Pkt. = ELO 2030 | |||||
Die taktische Keule
Von geringerem Positionsverständnis als der Expert (oder gar der Mephisto Amsterdam) ist der Mephisto MM II. Seine Stärke liegt eindeutig im taktischen Bereich, wo er allenfalls von den schnellen Conchess-Versionen zu übertreffen ist. Gesunde Spielanlagen sind nicht sein Fall, aber wehe, er sieht innerhalb seines (teilweise selektiv vergrößerten) Horizontes einen Materialvorteil oder gar ein Matt! Dann folgt unausweichlich die taktische Keule, dass die Augen tränen. Dennoch tut er sich gerade bei kurzen Antwortzeiten schwer gegen den Expert. Es gibt eben nicht immer etwas zum Herumprügeln, und in der Zwischenzeit sollte man auch mal nach der Ordnung in der Stellung sehen. Das wiederum kann der Expert besser.
Am Ende dieses Testvergleiches steht natürlich die Gretchenfrage, welches der beiden Geräte vorzuziehen sei. Wir wollen dieser Frage nicht mit unverbindlichen Formulierungen ("jedem das Seine...") aus dem Wege gehen, sondern klipp und klar antworten: Der Mephisto bietet, vergleicht man nur die Grundgeräte, mehr als der Expert und das für weitaus weniger Geld. Zudem ist er ausbaufähig auf kommende Programme (falls Programmierer Ulf Rathsman doch eines Tages das positionelle Spiel entdeckt). Bezieht man dagegen den Drucker ein, liegt der Expert mit seinen Extra-Features vorn. Dann allerdings wird der Preisunterschied schon gravierend.
| MODELL | ✔ WAS UNS GEFIEL | ✘ WAS UNS NICHT GEFIEL |
|---|---|---|
| MM II |
|
|
| Expert |
|
|
Partiebeispiele
YouTube Video by Vince Gum

