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Westrak

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Westrak
Herstellerinformationen
Sitz:
London,
Vereinigtes Königreich

Sehr wenig ist über die Firma WESTRAK bekannt. Westrak war eine kurzlebige Marke für Schachcomputer aus den frühen 1980er-Jahren. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in North London, ließ die Geräte aber mutmaßlich in Hongkong fertigen bzw. fungierte nur als Distributor.

1981 vermarktete Westrak ein erstes Modell, den Computer Chess CC1, ein Tischgerät mit einem großen Stecksensor-Spielfeld (statt klassischer Drucksensoren) und zwei Schubladen zur Figurenaufbewahrung. Technisch entsprach der Westrak CC1 dem baugleichen Modell Hanimex Computer Chess (HMG 1200), der auch unter den Label Conic, Schneider und eben Westrak vertrieben.

Der Westmark CC1 verfügte über einen MOS 6504 8-Bit-Prozessor (1 MHz) mit 1 KB RAM und 4 KB ROM und bot 12 Schwierigkeitsstufen von ca. 30 Sekunden bis 15 Minuten Bedenkzeit pro Zug. Eine Besonderheit war, dass die aktuelle Stufe durch Aufleuchten einer Zahlenfigur aus den 64 Feld-LEDs angezeigt wurde. Das Gerät besaß kein Eröffnungsbuch, es berechnete Züge von Grundstellung an selbst und war daher in der Anfangsphase anfällig für Fehler. Dennoch unterstützte es die üblichen Schachregeln (Rochade, En-passant etc.) und erlaubte u.a. jederzeit Seitenwechsel, Positionsaufbau und Partiebeginn aus beliebigen Stellungen.

Howland-West als Importeur und Vertriebspartner

Für den Vertrieb in Großbritannien arbeitete Westrak mit Howland-West Ltd. zusammen. Diese bereits 1969 gegründete Londoner Firma war ursprünglich auf den Import hochwertiger japanischer Hi-Fi- und Elektronikprodukte spezialisiert. Howland-West brachte den Westrak CC1 in England auf den Markt und war zu jener Zeit vor allem für Audio-Geräte bekannt. Ein zeitgenössischer Bericht stellte den „Westrak Chess Computer“ als neuen Namen am Schachcomputer-Markt vor, mit dem Modell CC1 zum Preis von etwa £130 und bemerkte dessen robustes, wenn auch altmodisch wirkendes Äußeres. Der Vertrieb erfolgte „durch Howland‑West, einen Importeur, der eher für Stereo‑Equipment bekannt ist“. Westrak-Geräte wurden vorwiegend im britischen Markt gesichtet, die Marke Westrak war in Kontinentaleuropa kaum präsent, dort wurden die technisch identischen Geräte unter anderen Labels (z.B. Hanimex) verkauft.

Der Westrak CC3 (1982)

Bereits 1982 wurde als Nachfolgemodell der Westrak CC3 angekündigt, der zahlreiche Verbesserungen und neue Funktionen bot. Äußerlich ähnelte er dem Vorgänger, doch intern arbeitete er mit leistungsfähigerer Hardware (ein MOS 6502A Prozessor mit ca. 2 MHz) und optimierter Software. Zeitgenössische Berichte heben mehrere Neuerungen hervor: So verfügte der CC3 über eine kleine Eröffnungsbibliothek von 25 gebräuchlichen Zufallszügen, während der CC1 noch völlig ohne Eröffnungsbuch auskommen musste.

Neu war auch eine Funktion zum Partie-Replay, mit der bis zu drei Halbzüge zurückgenommen und wiederhergestellt werden konnten, ein damals ungewöhnliches Feature, das dem Spieler erlaubte, Fehlzüge zu korrigieren oder alternative Varianten auszuprobieren. Außerdem wurden die Rechengeschwindigkeit und Zugzeiten verbessert: Der CC3 reagierte auf den niedrigsten Stufen praktisch sofort bzw. in wenigen Sekunden, während er auf höchster Stufe bis zu ca. 28 Minuten Bedenkzeit pro Zug einsetzte. Zum Vergleich: der CC1 benötigte auf seinen höchsten Leveln bis zu 15 Minuten pro Zug. Während einer Partie zeigte der CC3 über blinkende Feld-LEDs an, welche Züge er gerade in Betracht zog (sein „Denkprozess“), und der Spieler konnte bei Bedarf per Halt-Taste die Berechnung unterbrechen. Trotz der Aufrüstung blieb der Preis moderat – das Gerät sollte laut Ankündigung etwa £150–160 kosten, was 1982 als sehr konkurrenzfähig galt.

Viktor Kortschnoi und der Westrak CC3

Auf der London Toy Trade Fair 1982 (Earls Court) erhielt der Westrak CC3 prominente Unterstützung: Der damalige Schach-Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi präsentierte und empfahl das Gerät offiziell der Öffentlichkeit. In einem Messebericht heißt es, Kortschnoi „habe seinem Namen einem elektronischen Schachspiel gegeben“, das dort erstmals gezeigt wurde, mit anderen Worten, er fungierte als Werbepartner, um den neuen Westrak CC3 bekannt zu machen. Tatsächlich wurde das Schachcomputer-Modell in einigen Ländern direkt mit seinem Namen vermarktet: Der Hongkonger Hersteller Conic brachte 1982 das technisch entsprechende Gerät als „Conic Viktor Korchnoi Computer Chess“ (Modell 7013) heraus, inklusive Kortschnois Namenszug auf dem Gehäuse. Es handelte sich also um eine offizielle Promo-Kooperation und nicht nur um einen zufälligen PR-Gag. Kortschnoi stellte seinen Ruf gezielt zur Verfügung, um den CC3 aufzuwerten, laut Sammlerquellen war dies sogar der einzige Schachcomputer, den der Großmeister jemals beworben hat. Die Verbindung war für beide Seiten von Vorteil: Westrak/Conic konnten mit Kortschnois Name werben, während das Gerät durch seine Verbesserungen und den prominenten Fürsprecher große Aufmerksamkeit in der Schach- und Technikpresse erhielt.

Personen hinter Westrak

Mangels umfangreicher Dokumentation sind nur wenige Personen namentlich mit Westrak verknüpft. Als Programmierer der Schachengine des Westrak CC1 gilt den Recherchen zufolge Stephen Chen, ein früher Microcomputer-Schachprogrammierer aus Hongkong. Chen entwickelte auch für Conic International Schachprogramme. So stammt z.B. das Programm des Conic Computer Chess (Korchnoi) von 1981 ebenfalls von ihm. Es ist anzunehmen, dass Chen in die Entwicklung des Westrak/Hanimex/Conic-Schachcomputers involviert war, auch wenn die Geräte selbst simpel gestrickt und ohne Autorenangabe auf den Markt kamen.

Über Gründer oder Geschäftsführer der Marke Westrak ist in der Literatur nichts direkt überliefert. Da Westrak vermutlich eher ein Vertriebsname war, der für den Export genutzt wurde (im UK z.B. durch die Firma Howland-West, einen Elektronik-Importeur), treten keine eigenständigen Firmenpersönlichkeiten öffentlich in Erscheinung. Die Hintermänner der zugrundeliegenden Technik sind jedoch indirekt identifizierbar: Zum einen die Ingenieure von Conic in Hongkong, welche das Gerät entwickelten und zum anderen Eric White und Ken Cohen (White & Allcock). Letztere gründeten im Jahr 1981 CXG/Newcrest und arbeiteten mit Hanimex zusammen, ein Indiz dafür, dass sie möglicherweise auch bei den Westrak-Geräten im Hintergrund eine Rolle spielten oder zumindest von deren Produktion Kenntnis hatten. Somit steht Westrak gewissermaßen an einer historischen Schnittstelle: Es repräsentiert das Ende der Conic-Ära und den Übergang zu den neuen Akteuren der 1980er Schachcomputer-Szene.

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