Mephisto Milano Pro

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Mephisto Milano Pro
Mephisto Milano Pro Bild 6.jpg

© Theodor Heinze

Hersteller Saitek
Markteinführung 1996
Preis 170€
Prozessor SH7034
Prozessortyp 32 Bit
Takt 20 MHz
RAM 4 KB
ROM 64 KB
Bibliothek 50.000 Halbzüge
Programmierer Morsch, Frans
Elo 2163
Rechentiefe 23 Halbzüge
BT-2450 2126
BT-2630 2156
Colditz -
Verwandt Mephisto Master Chess, Pewatronic Master Chess, Mephisto Atlanta
Zugeingabe Drucksensoren
Zugausgabe LC-Display und 16 Rand-LEDs
Display 48-Segment LCD
Stromversorgung HGN 5009 Batterie = 6x AA
Spielstufen 64
Maße 34 x 26 x 2,4 cm / Königshöhe 4,8 cm / Brett 19,5 cm / Feld 2,5 cm
Sonstiges
Lehrfunktion, Stellungsbewertung, Zugvorschläge, Handicapstufen, Partiespeicher


Der Milano Pro war 1997 bis zum Erscheinen des Mephisto Atlanta das Spitzengerät im Programm von Mephisto. Die Spielstärke kann sich durchaus mit den Top-Produkten der Konkurrenz messen und die Ausstattung ist traditionell gut. Das Programm ist ein Vorläufer des Mephisto Atlanta, muss allerdings ohne Hash Tables auskommen, weiterhin wurden offenbar mit dem Mephisto Atlanta diverse Bugs behoben und die Endspielkenntnisse erweitert.

Ärgerliche Bugs beim Null Move-Pruning und Pondern führen gelegentlich zu kurzzügigen Figurenverlusten, nach einer Bauernumwandlung stellt er schon mal einzügig die Dame ein. Nichtsdestotrotz ist der Milano Pro ein taktisch starker Gegner, der, wenn's gut läuft, auch wesentlich stärkere Gegner zu schlagen in der Lage ist. Was die angesprochenen Bugs betrifft, so "leidet" der Milano Pro zwar nicht unter dem "H8 Bug", dafür erfüllen die Handicapstufen allerdings nicht ihren Zweck und führen nicht zur beabsichtigten Spielstärkereduzierung (nicht zu verwechseln mit dem "Funlevel-Bug"). Eine allerdings eher ungewollte Schwächung kommt oft dann zum tragen, wenn man vergisst, vor einer neuen Partie die Energiesparoption zu überprüfen.

Der Milano Pro verfügt über eine gutgemeinte mehrstufige Energiespareinstellung (>PS:0 bis PS:3< PS steht für PowerSave), die für den Batteriebetrieb gedacht ist, hierbei wird die Prozessorleistung reduziert und führt damit zu einer längeren Betriebsdauer. Leider startet der Milano Pro, nachdem er eine gewisse Zeit ausgeschaltet war, mit der Grundeinstellung PS:2, spielt also nicht mit voller Leistung, von daher empfiehlt es sich nach Unterbrechungen, diese Einstellung zu überprüfen, um sicher zu gehen, dass das Gerät auch mit der stärksten Einstellung spielt.

Die PowerSaving Modes werden durch die eingestellte Spielstufe lt. Anleitung vorgegeben. Über den Rest schweigt sie sich die Anleitung aus. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Gerät mit Batterie oder Netzteil betrieben wird. Auf allen NORMAL-Stufen (A1-8, B1-8) ist PS:2 vorgegeben, auf den FUN Stufen (E1-7) sogar PS:3. Alle anderen Stufen sind auf PS:0 eingestellt. Mit dem Wechsel der Spielstufe oder einem "New Game" auf der gleichen Stufe, ändert sich auch der PowerSaving Mode auf den zu Spielstufe hinterlegten Wert, selbst wenn man einen anderen Wert vorher festgelegt hat.

"Vergisst" das Gerät den flüchtigen Speicher oder wird (ohne "Stop") stromlos geschaltet, dann startet es mit der NORMAL Stufe A4 (5 Sekunden pro Zug und PS:2).

Die Anleitung äußert sich wie folgt:

"Die Energiespar-Funktion ( B2 )
Drücken Sie auf ENTER, um PS:0 bis PS:3 durchzulaufen. Diese Funktion verlängert die Spielweite und das Batterieleben aufs effektvollste ohne die Zeiteinstellungen des Computers zu beeinflussen. In der PS . 0 Einstellung wie in Abschnitt 2.10 beschrieben ist die Energiespar-Funktion abgestellt. Der Computer berechnet in Ihrer Zugzeit, während der Sie Ihren nächsten Zug überlegen, denkt voraus und plant seine Strategien. Diese Funktion ist ein zusätzlicher Grund, dass Ihr Schachcomputer so ein harter Gegner ist. Ihr Computer erlaubt es Ihnen, alle Stufen schwächer zu machen, indem er sich selbst in Ruhestellung stellt, und sich dann automatisch wieder aufweckt.

Dies gibt die Möglichkeit, vier Mal so viele Stufen wählbar zu haben, und zur selben Zeit, das Leben Ihrer Batterien, um ein vielfaches zu verlängern.

  • -PS:0 = Computer spielt in vollster Kraft
  • +PS:1 = Der Computer ist in Ruhestellung, während Sie den nächsten Zug überlegen.
  • +PS:2 = Der Computer nutzt 20% der verfügbaren Zeit, und den Rest in Ruhestellung. Sie können eine Verlängerung des Batterielebens um das Fünffache erwarten
  • +PS:3 = Der Computer benutzt etwa 5% seiner Zeit zur Berechnung. Das Batterieleben wird um das Achtfache verlängert.

Beachten Sie: 1) Wenn die Energiespar-Funktion eingestellt ist, erwacht der Computer in regelmäßigen Abständen, um alle notwendigen Funktionen auszuführen. Auf der Anzeige ist keine Veränderung zu sehen, abgesehen vom verlängerten Batterieleben und geschwächtem Spiel. Beachten Sie: 2) Wird eine Spielstufe geändert, so wählt der Computer automatisch die bestgeeignete Energiespar-Funktion für die gewählte Stufe. Wenn Sie eine andere Methode einstellen möchten, müssen Sie erst die Spielstufe, und dann die Energiespar-Funktion wählen."

Italienische Eleganz?

(Günter Rehburg aus Computer Schach & Spiele / Heft 6 / Dezember 1996)

Doch, doch " durchaus, nur schon etwas abgetragen. Genau gesagt, der Milano Pro bietet mit 34 cm x 26 cm die gleichen Längen- und Breitenmaße wie sein Vorgänger. In der Höhe wurden 11 mm eingespart. So verbleiben hier lediglich 24 mm, die dem Laptopgerät eine verbesserte Handlichkeit und zusätzliche Eleganz verleihen. Für das Spielbrett bleiben 20 x 20 cm, die dem geübten Anwender eine hinreichende Übersichtlichkeit gewähren. Drucksensoren und Seitendioden sind kein wesentlicher Grund, die Spielfreude des geübten Brettcomputerspielers einzuschränken.

Das 48-Segment-Display kommt trotz guter Ablesbarkeit einem technischen Rückschritt gleich. Sicher, der Platz im Gehäuse ist stark eingeschränkt, aber schon das Vorläufermodell war mit einer 32stelligen Punkt-matrixanzeige ausgestattet. Welchen Nutzen soll eine verbesserte Ablesbarkeit besitzen, wenn es " etwas übertrieben ausgedrückt " kaum etwas abzulesen gibt. Bei der Nutzung der unterhalb des Displays aufzufindenden 17 Funktionstasten braucht der künftige Milano Pro-Besitzer kein unnötiges Hirnschmalz zu verbraten. Ihre Anordnung ist übersichtlich und logisch " die leicht verständliche Bedienungsanleitung tut ein Übriges. Wie das Vorläufermodell ist der Milano Pro mit einem Stellungsspeicher und wahlweise für den Netz-und Batteriebetrieb ausgerüstet.

Der von Hitachi hergestellte 32-Bit-Prozessor "H 7000" ist eine Weiterentwicklung des zwischenzeitlich zu einiger Berühmtheit gelangten Single-Chips "H8". Er ist laut Herstellerangabe mit 20 MHz getaktet. 64 KByte ROM und 4 KByte RAM reißen heute niemanden mehr vom Hocker, zumal das Vorläufermodell einen um 100% umfangreicheren RAM-Speicher besaß.

...und das Programm?

64 Spielstufen, Lösung von Mattproblemen bis zu 8 Zügen, Zugrücknahme bis zu 200 Zügen und eine Trainings- und Lehrfunktion zählen heute bei einem Gerät dieser Preisklasse zu den Selbstverständlichkeiten. Die 4 Zeiten-Schachuhr kann in die Countdown-Funktion umgeschaltet und, will man Wettkampfatmosphäre verbreiten, zusätzlich zum Ticken gebracht werden.

Vom grundsätzlich eingestellten selektiven Spielstil aus besteht die Möglichkeit, in die "Brute-Force"-Berechnung zu wechseln, die in der Bedienungsanweisung sinnigerweise mit "Kraft-Algorithmus" bezeichnet wird. Diese Wortneuschöpfung ist offensichtlich eine Blüte der Übersetzung. 36.000 Züge umfasst der Eröffnungsbereich. Sie haben die Wahl zwischen der normalen, der passiven, der aktiven und einer Turnier-Eröffnungsbibliothek.

Jetzt heißt es "Kontra" sagen

Das Pro, die Vorzüge des neuen Modells, sind abgehandelt. Jetzt gilt es, sich gegen die ausgewählte Gegnerschaft durchzusetzen. Das erste Kontra wurde gewonnen: In vier Kurzpartien (20 Sekunden je Zug) wurde der kleinere Programm-bruder MM VI mit 3:1 besiegt (siehe Mephisto MM VI - Es darf wieder gekämpft werden!). Das vom gleichen Autor stammende PC-Programm Fritz2, zwischenzeitlich betagt, in der SSDF-Liste aber immerhin mit Elo 2138 (486/33 MHz) verzeichnet, war der zweite Gegner in zwei 30 Minuten-Aktivschachpartien. In der ersten schaffte es der Milano Pro, im Endspiel mit vier verbundenen Freibauern gegen eine Leichtfigur nur remis zu spielen. Schlimmer erging es dem Milano Pro in der zweiten Partie, die zur glatten Niederlage wurde.


Dennoch, es soll noch härteres Geschütz gegen unseren Testkandidaten aufgefahren werden. Die mit Elo 2196 in der SSDF-Liste zu Buche stehende Chess Machine Schröder 3.0, 512 K, 16 MHz soll dem Milano Pro in zwei Schnellpartien über 15 Minuten auf den Zahn fühlen. Kann das neue Programm gegen den "Oldtimer" noch einmal Kontra geben? Können kann er schon. Gewinnen konnte er allerdings nicht. Auch dieses Kurzgefecht ging mit 0,5:1,5 verloren.

Abschlussbewertung

Das noch handlicher gewordene Laptop-Gehäuse lässt eine vielseitige Verwendung des Gerätes zu. So kann es in der Tat auch zum Reisebegleiter werden. Die Ausstattung entspricht dem heutigen Standard, das Display bedarf der Verbesserung.

Im strategischen Bereich sind beispielsweise gegenüber Fritz drei spürbare Verbesserungen zu registrieren. Beinahe zwangsläufig scheint das Kombinations-vermögen darunter gelitten zu haben. Das Endspiel scheint keine weiteren Verbesserungen erfahren zu haben. Das bisherige, geringe Test- und Partienmaterial lässt noch keine endgültige Einstufung des Programms zu. Soviel kann aber gesagt werden: Der Milano Pro wird es nicht leicht haben, der vom Hersteller angepeilten Elo 2200-Einschätzung gerecht zu werden. Mit DM 498,- bietet der Milano Pro ein ordentliches Preis-Leistungsverhältnis.

Bilder - © Theodor Heinze