Conchess
Existenz: 1982 - 1990
Conchess war eine Marke für elektronische Schachcomputer, die von der deutschen Firma Consumenta in den 1980er Jahren entwickelt und vertrieben wurde. Die Geräte gehörten zur frühen Generation dedizierter Schachcomputer und kombinierten modulare Hardware mit einem leistungsfähigen Schachprogramm der damaligen Zeit. Der Markenname "Conchess" setzt sich aus Consumenta und Chess zusammen.
Geschichte
Die Schachcomputer-Reihe Conchess wurde Anfang der 1980er Jahre von der Firma Consumenta mit Sitz in München eingeführt. Die Inhaber von Consumenta, Peter-Ingolf Gericke und Klaus Heyne, wurden auf Ulf Rathsman aufmerksam, nachdem sie den Erfolg seines neuen experimentellen Schachprogramms Namens Princhess 2.9 gesehen hatten. Dieses Programm hatte gerade den zweiten Platz bei der Mikrocomputer-Schachweltmeisterschaft 1981 in Travemünde, Deutschland belegt.
Consumenta war auf diesem Markt nicht unbekannt, denn bis Anfang der 1980er Jahre hatte diese Firma den Vertrieb von Schachcomputern der Firma Fidelity Electronics übernommen. Ulf Rathsman, unterstützt von Johan Enroth, stimmte der Verwendung von Princhess zu und die Schachcomputermarke Conchess wurde 1982 eingeführt. Die Computer wurden von der Firma EES (später als Loproc GmbH), Deutschland entwickelt und bei Waltham Electronics, einer Fabrik für HiFi-Equipment in Irland gefertigt.
Insolvenz von Consumenta
Nach dem Konkurs des Conchess-Herstellers Consumenta 1983 hatte die schwedische Firma System Integrierung (Stockholm) die Belange von Programmautor Ulf Rathsman übernommen und ihn fest angestellt. Als Arbeitskollege bekam er den jungen Lars Hjorth, den Conchess-Betreuer Johan Enroth schlicht "ein Genie" nannte. Entstanden war ein neues Conchess-Modul mit 32 KByte ROM und 4 KByte RAM.
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Die Entwickler des „in Schweden hergestellten” Schachcomputers Conchess, Ulf Rathsman und Johan Enroth.
Aus "Tidskrift för Schack - 1982 "
(restauriert und koloriert)
Bereits 1982 kamen drei Conchess-Modelle auf den Markt: Escorter, Ambassador und Monarch. Sie unterschieden sich äußerlich durch Größe und Material, waren technisch jedoch identisch. Elegantes Design, unsichtbar verbaute Elektronik, Magnetsensoren und ein innovatives Modulsystem machten Conchess zu etwas Besonderem. Dieses System erlaubte nicht nur Programm-Updates, sondern theoretisch sogar den Einsatz mehrerer Prozessoren – für die damalige Zeit außergewöhnlich.
Auch spielerisch überzeugte Conchess. Trotz eines vergleichsweise kleinen Eröffnungsbuchs bot das Programm fortschrittliche Funktionen wie vollständige Remis-Regeln, Mattsuche, Unterverwandlungen und Partierücknahme. In internen Vergleichen und frühen Elo-Listen rangierte Conchess zeitweise vor namhaften Konkurrenten wie Mephisto, Novag oder SciSys.
Wirtschaftlich blieb der Erfolg jedoch aus. Die Produktionszahlen waren zu hoch angesetzt, die Verarbeitungsqualität nicht immer überzeugend, und 1983 wurde der Vertrieb eingestellt. Viele Kunden standen plötzlich mit defekten Geräten da, was sogar Verbraucherschützer auf den Plan rief.
Der Triumph von Glasgow (1984)
Unerwartet folgte 1984 ein Comeback. Mit verbesserten Modulen, deutlich höheren Taktfrequenzen und dem sogenannten Glasgow-Programm kehrte Conchess auf die Turnierbühne zurück. Das Jahr 1984 markiert zugleich den Zenit der Marke Conchess. Princhess, das auf einem Conchess-Computer lief, wurde 1984 in Glasgow Weltmeister im Mikrocomputer-Schach, wo auch zwei weitere Conchess-Computer (Conchess X und Y) mit Lars Hjorth als Co-Autor antraten. Princess teilte sich mit Psion Chess, Fidelity und Mephisto mit 5 Punkten aus 7 Partien den ersten Platz. Die Fachpresse lobte damals besonders die "menschliche" Spielweise des Programms von Ulf Rathsman.
Weitere Erfolge
Bei der WMCCC 1985 in Amsterdam traten Rathsmans neues Programm Plymate sowie Princhess auf speziellen Conchess-Computern an. Ihr respektabler zweiter Platz wurde jedoch durch den Erfolg von Richard Lang mit seinem alles überragenden Programm Mephisto Amsterdam etwas in den Schatten gestellt, was mehr oder weniger zum Ende der Conchess-Computerproduktion führte.
Den Höhepunkt markierte 1985 der Conchess T8 mit 8 MHz, ein extrem starker Taktiker und heute ein begehrtes Sammlerstück.
Doch neue Konkurrenten, allen voran Richard Langs Mephisto-Programme, überholten Conchess endgültig. Ohne starken Hersteller im Rücken ebbten die Erfolge ab, letzte Programmvarianten erschienen nur noch in Kleinstauflagen. Nach insgesamt weniger als 10.000 produzierten Geräten verschwand Conchess endgültig vom Markt.
Trotz seines kurzen Bestehens bleibt Conchess ein faszinierendes Beispiel dafür, wie technischer Ehrgeiz, spielerische Stärke und wirtschaftliche Realität nicht immer zusammenfinden und ein fast vergessenes Kapitel der Schachcomputergeschichte.
Produkte
1982 kamen die ersten Conchess-Modelle auf den Markt. Conchess-Computer waren im Vergleich zu den damals verbreiteten Plastikgeräten (wie der Chess Challenger-Reihe von Fidelity) im gehobenen Preissegment angesiedelt.
Technische Merkmale
Die Geräte verfügten u.a. über:
- Einführung: 1982
- Zugeingabe: Magnetsensoren
- Zugzurücknahme: ja
- Zugausgabe: 64 LEDs
- Zugvorschläge: ja
- Farbwechsel: ja
- Akustik: Tonsignale
- Schachuhr: nein
- Zufallsgenerator: abschaltbar
- Stromversorgung: Netz
Diese Ausstattung war für die frühen 1980er Jahre technisch fortschrittlich.
Brett Varianten
Die drei Hauptmodelle waren:
Infos von Lars Hjorth, Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com
Monarch | |
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Ambassador | |
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Escorter(2 Varianten) | |
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Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com |
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Bilder von Mike Watters - chesscomputeruk.com |
Bedienungselemente

Anzeigen
Modulvarianten
Programmautor: Ulf Rathsman
Kassetten
- L0/L16/A0/A1/ A2 /A3 = Namen der Vertreiber in United Kingdom
- L /L16/M /P /P4M/P41M/C /S/S4/S5/T/T6/T8/H = Deutsche Händlernamen
- C wurde zum ersten Mal für Conchess Glasgow 1984 verwendet.
1982
Conchess Original
- Programmkassette Standard / erste Programmversion Hardware 2 MHz (4 MHz Quarz)
Die Original-Kassetten wurden mit keinem Buchstaben versehen. Es wurden mindestens 4 verschiedene Module der Standard Kassette verkauft! 1 frühe Platine mit 6 Eproms, und 3 spätere mit verschiedenen Platinen mit 3 ROMs. Alle hatten das gleiche 24 KByte Programm.
Platinen:
- CPU CLC B2 : 6x2732 EPROM. (Weiße oder rote Eprom-Etiketten)
- CLC B2 : 3xROM.
- CLC B3: 3xROM.
- CLC B4 : 3xROM.
1983
- "L" cartridge (L (L0) = Libary, Feb-März 1984: 2973 Züge in 537 Varianten)
- Preis: 248 DM
1984
- Programmkassette M (A0)
- Modifizierte Standardkassette, Princhess, die nur mit der Programmergänzung P läuft, P und M laufen nur gemeinsam
- Ergänzungskassette P (A1)
- Programmergänzung, die nur mit modifizierter Standardkassette "M" ("modified") funktioniert, P (Programmkassette) und M laufen nur gemeinsam, Programmversion Princhess
Programmversion Glasgow
(Die erste Mask ROM Version)
- Programmkassette P
- Speed: 2 MHz
- Preis: 348 DM
- Programmkassette S
- Speed: 3.2 und 4 MHz
- Preis: 598 DM
- Programmkassette T
- Speed: 5.5 und 6 MHz
- Preis: 1198 DM
- Programmkassette H (H steht für "Herstellermuster")
- Speed: 4 MHz
- kam nie in den Handel, nur für Testzwecke
- Preis: geplant für 648 DM
Die H-Kassette war nie offiziell im Handel erhältlich. Sie wurde meist zu Testzwecken verwendet in Turnieren und leihweise vergeben an Händler und Journalisten. Anfangs mit dem Princhess-Programm der WM 1984 in Glasgow bestückt, später auch mit dem Plymate-Programm der WM 1985 in Amsterdam.
1985
Programmversion Glasgow Plus
Die Umrüstung wurde von der Firma EES in München zum Preis von 148 DM angeboten.
Die neue Version "Glasgow Plus" basierte auf dem WM-Programm (Glasgow 1984), wurde aber in den Mattsuchstufen und den Spielstufen weiterentwickelt. Es gab nunmehr eine Anfängerstufe mit 2 Halbzügen Rechtiefe, vier Blitzstufen mit einer mittleren Zugzeit von 5, 10, 20 und 30 Sekunden, fünf Turnierstufen mit Zeitabstufungen von 1, 2, 3, 3:45 und 10 Minuten pro Zug, sowie eine Analyse- und Mattsuchstufe. In der letzteren konnte die Suchtiefe in 1 bis 12 Halbzügen eingestellt und die Aufgabe auf Nebenlösungen geprüft werden. Auch die eingebaute Schachuhr wurde überarbeitet, um die Zugausführungszeiten zu neutralisieren. Die Uhr des Computers wurde erst dann in Gang gesetzt, wenn der Gegner den Computerzug vollständig ausgeführt hatte.
In Deutschland waren folgende Varianten erhältlich:
- Programmkassette P
- Speed: 2 MHz
- Programmkassette S
- Speed: 4 MHz
- Programmkassette T
- Speed: 6 MHz
Im Vereinigten Königreich (UK) waren Varianten mit 2, 5.5 und 8 MHz erhältlich.
Programmversion Amsterdam (Plymate)
Die Umprogrammierung der T-, S- und P-Kassetten auf das WM-Programm Amsterdam betrug 148 DM. Lieferant war die Firma Loproc GmbH (früher EES) aus München (Feldafing).
- Programmkassette S 4 (S = Speed)
- Speed: 4 MHz
- Preis: 598 DM
- Programmkassette C (A2)
- Speed: 2, 6, 8, 5.5 MHz
- Programmkassette T 6 (T = Top Speed)
- Speed 6 MHz
- Preis: 998 DM
- Programmkassette T 8 (T = Top Speed)
- Speed: 8 MHz
- Preis: 1198 DM
- Eröffnungskassette L16
- 1985-09-xx : 8850 Züge in 1740 Varianten , (L = Library)
Die L16-Eröffnungskassette funktioniert nicht mit Standard / Glasgow / Glasgow Plus. Arbeitet mit Amsterdam und späteren Modulen, z.B. Plymate Victoria.
1986
- Conchess Plymate 5.5 MHz (Swedish and UK market mainly)
- Conchess Cologne/Köln + "Cologne Lib" (Very limited series were sold)
1988
- Conchess Victoria + "L1024" (Very limited series were sold)
Die Kassetten Standard, S, M und T beinhalten die CPU, Taktgeber und die Speicherbausteine für RAM und ROM.
Die Sensorbretter beinhalten nur die Stromversorgung und die Schnittstelle zur Kassettenhardware.
Levels
Conchess Standard
- T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
- T1 Pawn = 5 sec
- T2 Knight = 45 sec
- T3 Bishop = 2 min
- T4 Rook = 3 min
- T5 Queen = 3 3/4 min + 3 min
- T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 5.
- P = Practice Levels. LED has flashing light.
- P1 Pawn = 1 ply
- P2 Knight = 2 ply
- P3 Bishop = 3 ply
- P4 Rook = 4 ply
- P5 Queen = 5 ply
- P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached.
Conchess Glasgow Levels
- T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
- T1 Pawn = 5 sec
- T2 Knight = 45 sec
- T3 Bishop = 2 min
- T4 Rook = 3 min
- T5 Queen = 3 3/4 min + 3 min
- T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 11.
- P = Practice Levels. LED has flashing light.
- P1 Pawn = 2 ply
- P2 Knight = 3 ply
- P3 Bishop = 4 ply
- P4 Rook = 5 ply
- P5 Queen = 6 ply
- P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached.
Conchess Glasgow Plus / Amsterdam Levels
- T = Tournament/Time Levels. LED has constant light.
- T1 Pawn = 1 min
- T2 Knight = 2 min
- T3 Bishop = 3 min
- T4 Rook = 3 3/4 min + 3 min
- T5 Queen = 10 min
- T6 King = Mate search Level. Maximum mate in 12.
- P = Practice Levels. LED has flashing light.
- P1 Pawn = 2 ply
- P2 Knight = 5 sec
- P3 Bishop = 10 sec
- P4 Rook = 20 sec
- P5 Queen = 30 sec
- P6 King = Analysis until mate found or max search depth reached: 23.
Bedeutung
Conchess-Schachcomputer gehören heute zu den frühen Beispielen dedizierter Schachcomputer, die modulare Erweiterbarkeit und ein relativ starkes Programm in einem ästhetisch ansprechenden Design verbanden. Sie spiegeln die Entwicklung des Computerschachs in der Übergangszeit zwischen einfachen elektromechanischen Rechnern und stärker integrierten Systemen der späten 1980er und frühen 1990er Jahre wider. Conchess bestand nur bis 1990, aber während dieser kurzen Periode bauten sie schöne modulare Schachbretter und Schachmodule.
Schachcomputer
Die Geschichte der Conchess-Schachcomputer
Heute kaum noch vorstellbar, aber es gab einmal Schachcomputer, die in Irland gefertigt wurden. 1984 waren Conchess-Schachcomputer sogar einmal Weltmeister. Dennoch gibt es heute nur noch wenige, die sich an diese Geräte erinnern. Karsten Bauermeister ruft sie noch einmal ins Gedächtnis. (aus Computer Schach & Spiele / Heft 4 / August-September 1998)
1981 bei der Weltmeisterschaft in Travemünde trat in der Experimentalgruppe ein bis dahin praktisch unbekanntes Programm namens Princhess 2.9 an. Dieses war von dem Schweden Ulf Rathsman für den Commodore geschrieben worden und belegte fast sensationell den zweiten Platz, mit fünf Punkten aus sieben Partien. Wir erinnern uns: Erster der Experimentalgruppe wurde der Fidelity Experimental (= Fidelity Elite '81) mit sechs Punkten, den dritten Platz belegte ein Novag-Gerät mit 4.5 Punkten, vierter wurde Philidor Experimental (= SciSys Mark V ) mit ebenfalls 4.5 Punkten. Nicht nur wegen der etablierten Gegnerschaft war dieser Erfolg eine Überraschung, sondern auch, weil Princhess Ende 1980 bei einem Turnier in Stockholm (genannt "Mikro '80") noch hoffnungslos abgeschlagen den letzten Platz mit null Punkten belegt hatte.
Dass das Ergebnis der WM keine Eintagsfliege war, zeigte sich dann bei der "Mikro '81" im November in Stockholm, wo Princhess 2.9 ebenfalls Zweiter wurde. Diese Erfolge wären wohl heute kaum noch erwähnenswert, wäre das Rathsman-Programm nicht auch kommerziell zu erwerben gewesen.
Die Conchess-Produktlinie
Das unerwartet gute Abschneiden bewegte die zwei Geschäftsführer Peter-Ingolf Genicke und Klaus Heyne der Münchener Firma Consumenta, genau diesen Ulf Rathsman in Travemünde vom Fleck weg für ein eigenes Schachcomputerprojekt zu engagieren. Gänzlich unerfahren war Consumenta auf diesem Markt nicht, denn bis Anfang der 80er Jahre hatte die Firma den Vertrieb von Schachcomputern der Firma Fidelity betrieben.
Dennoch muss noch ein anderer Name in diesem Zusammenhang genannt werden, ohne den diese Geschichte nicht erzählt werden kann: Johan Enroth. Dieser stand Ulf Rathsman finanziell und vor allem als Texter zur Seite. Der Programmierer gab nämlich bereits im Januar 1981 seine Ingenieursstelle in Stockholm für die Schachprogrammierung auf- sehr zum Missfallen seiner Ehefrau! Die Hardwareentwicklung wurde der Firma EES/Loproc übergeben, die binnen lediglich vier Wochen einen ersten Prototyp auf die Beine stellte. Für die Fertigung fand man einen Partner in einer Fabrik für HiFi-Equipment in Irland (Wallharn Electronics), mit der man auch gleich über ganz große Stückzahlen im Bereich von 50.000 verhandelte. Hier lag wohl einer der Gründe für die späteren Schwierigkeiten. Die Absatzchancen waren trotz eines in Auftrag gegebenen umfangreichen Marktgutachtens einfach nicht richtig eingeschätzt worden. Man muss sich vor Augen halten, dass 1983 insgesamt überhaupt nur etwa 50.000 Schachcomputer in Deutschland abgesetzt wurden.
1982 kamen dann schließlich drei Schachcomputer mit dem sinnreichen Markennamen "Conchess" (= Consumenta Chess) auf den Markt. Man hatte sich beim Hersteller ausgerechnet, dass mit spielstarken und komfortablen Schachcomputern ein gutes Geschäft zu machen sei. Außerdem wollte man wohl auch das persönliche Empfinden der Geschäftsführer für Ästhetik befriedigen. Das Ergebnis waren drei nicht nur optisch sehr gelungene Modelle: "Escorter" (Plastik Silber/Kupfer / Maße 30 x 30 x 3 cm / 598.- DM) mit einem Kunststoffgehäuse von 30x30 cm, "Ambassador" (Edelholz-Intarsien / Maße 37,5 x, 37,5 x 3 cm - 798.- DM) mit einem 40x40 cm großen Holzbrett, und der wahrhaft königliche "Monarch" (Edelholz-Intarsien / Maße 52 x 52 cm / 998.- DM) mit turniergroßem Holzbrett. Die Elektronik war jeweils komplett unsichtbar im Inneren des Gerätes untergebracht und wurde über zur Optik des Brettes passende Knöpfe bedient. Technisch waren die drei Brüder vollkommen identisch: Sie hatten Magnetsensortechnik, das 24 KByte große Programm, ein 6502-Prozessor mit 2 MHz und ein richtiges Modulsystem mit zwei (!) Schächten gemein.
Das Modulsystem war übrigens so ausgelegt, dass die Kassetten nicht nur ausgetauscht werden konnten, sondern dass auch eine zweite Kassette mit zusätzlichem Prozessor eingesetzt werden konnte! Ja, Sie lesen richtig: Theoretisch war ein echtes Multiprocessing denkbar. Ein solches Modul war 1982 bereits in der Erprobung, kam jedoch wegen des Konkurses nicht mehr auf den Markt. Es sollte übrigens eine reine Materialbewertung durchführen, während das Grundmodul für die Positionsbewertung zuständig war.
Auch das schwedische Programm musste sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Das Eröffnungsrepertoire war zwar mit nur 829 Halbzügen nicht sonderlich groß, aber dafür kannte Conchess sämtliche Remis Regeln, verfügte über eine Mattsuchstufe, beherrschte die Unterverwandlung und man konnte eine gespielte Partie beliebig zurück- und wieder vorspielen. 1982 wahrlich nicht selbstverständlich.
Die alte Frage...
... ist natürlich die nach der Spielstärke. Ohne daß der Conchess den Spitzenprogrammen von 1982, dem Fidelity Prestige und dem Sensory 9, wirklich gefährlich geworden wäre, lag er doch mit an der Spitze. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang eine Eloliste, die ich in der Rochade Nr. 213 vom April 1982 fand: Dort belegte Princhess 2.9 mit 1838 Elo hinter dem MGS III mit Grünfeld und Capablanca mit 1849 Elo den zweiten Platz unter den kommerziellen Mikros, noch vor Mephisto II, dem Weltmeister SciSys Mark V oder Novags Savant, allesamt direkte Konkurrenten auf dem Markt. Es muß jedoch bemerkt werden, daß dieser Auswertung lediglich 12 Partien zugrunde lagen.
Aussagekräftiger schon die Ergebnisse von Jan Louwman, die dieser Mitte 1982 auf Turnierstufe gegen die Konkurrenz sammeln konnte: Conchess - Mephisto II 7,5:2,5; Conchess - Mark V 7:3; Conchess - Morphy GGM 6.5:3,5; Conchess - Fidelity Champion 8,5:1,5; Conchess - Fidelity Elite 1,5:2,5! Hätte Jan Louwman 1982 eine "holländische Weltrangliste der Schachcomputer" herausgegeben, wäre er bei diesen Ergebnissen sicher von irgendeinem Händler aus Deutschland der unglaublichsten Manipulationen verdächtigt und angeklagt worden! Sehen wir uns ein Beispiel an:
Conchess am Ende?
1983 wurde es dann auf einmal sehr, sehr still um Conchess. Ob es an der nicht wirklich überzeugenden Verarbeitungsqualität mit anfälligen Reed-Kontakten und lediglich geklebten Schraubenhalterungen oder am Kaufverhalten der Konsumenten lag, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Tatsache ist, dass der Vertrieb bald eingestellt wurde und nicht wenige Kunden auf einmal mit defekten Geräten da saßen, was sogar dem Verbrauchermagazin DM eine Schlagzeile wert war: "Geld zurück bei Matt. Ein führender Hersteller von Schachcomputern ging Pleite. Händler müssen für Garantiefristen einstehen", titelte das Blatt in Heft Nr. 10/1983, S.22. Doch dies war wider Erwarten nicht das Ende von Conchess! Die Loproc GmbH erhielt nach rechtlichen Auseinandersetzungen nämlich 173 Conchess-Schachcomputer als Ausgleich für einen Teil ihrer Forderungen.
Neuer Start unter gutem Stern
1984 bei der WM in Glasgow gab es eine Überraschung: In der Meldeliste tauchte nämlich der Name Conchess wieder auf. Johan Enroth hatte Ulf Rathsman bei seiner Firma System Integrierung in Stockholm angestellt. Das Ergebnis der Bemühungen war das Glasgow-Programm, das in Deutschland wieder über die Firma EES (später als Loproc GmbH) vertrieben wurde und das dank der Modultechnik auch Besitzer älterer Conchess-Schachcomputer nutzen konnten. Es konnte zum einen als Zusatzmodul (P-Kassette) zu dem bereits vorhandenen Programm eingesetzt werden. Ferner waren schnellere Kassetten erhältlich: S ("Speed") mit 3.2 MHz und T ("Topspeed") mit 6 MHz. Damit gehörte Conchess nicht nur zu den absolut schnellsten Programmen auf dem Markt, sondern war taktisch auch mit Abstand das beste. Für Besitzer des alten Programms gab es auch noch die Eröffnungskassette L, die das alte Programm wenigstens eröffnungstechnisch auf den Stand des Glasgow-Moduls brachte.
CSS-Leser der ersten Stunde werden sich noch an die sensationellen Ergebnisse des Conchess im sogenannten "Colditz-Test" erinnern. Diese taktische Spielstärke war denn auch mit dafür verantwortlich, dass "Princhess X", eins von drei teilnehmenden Conchess-Geräten, mit fünf Punkten geteilter Erster und damit einer von insgesamt vier ebenfalls geteilten Weltmeistern in Glasgow wurde.
Eine zusätzliche Einnahmequelle für Rathsman und System Integrierung ergab sich noch durch die Vermarktung des Rathsman-Programmes in den Mephisto-Modulen B+P (1985) und später MM II (1986). Durch dieses Geld konnte auch Johan Enroth ein Teil seiner Investitionen zurückbezahlt werden. Den absoluten Höhepunkt der Entwicklung markierte aber erst der Conchess T8 mit dem 1985er Plymate-Programm und für damalige Verhältnisse schier unglaublichen 8 MHz! Für knapp 2000,- DM sicherlich der potenteste Taktiker weit und breit - und heute ein begehrtes Sammlerstück.
Schließlich doch schachmatt
Dieses Programm startete auch bei der Mikroweltmeisterschaft 1985 in Amsterdam, wo jedoch ein neuer Star, Richard Lang mit seinem Mephisto Amsterdam, die Bühne betritt. Hinter dessen Leistungen verblasste der zweite Platz der Conchess-Mannschaft (dort unter dem Namen Plymate bzw. Princhess startend) leider vollständig. Nach diesem Achtungserfolg gab es keine weiteren Schachcomputer mehr mit dem Namen Conchess, doch Ulf Rathsman arbeitete noch eine Weile weiter an seinem Programm und startete bei den Mikro-WMs 1987 in Rom (3. Platz in der Softwaregruppe mit Plymate), 1988 in Almeria mit Y!88 (gesprochen: Why not '88 = "Warum nicht '88"), 1989 in Portoroz und bei der 6. WCCC in Edmonton mit "Y!89" (Plymate).
Da jedoch die Erfolge nachließen und es auch keine Unterstützung durch einen Hersteller mehr gab, waren dies die letzten Auftritte der Rathsman-Programme, wenn man von einem Experimentalprogramm namens Conchess Plymate Victoria absieht, das noch bis Anfang 1996 (!) bei etwa 1868 Elopunkten in der schwedischen Eloliste herumgeisterte. Es gab zwar Pläne für ein Rathsman-Comeback in einem Saitekmodul für den Leonardo/Galileo (Name: "Brute Force"), doch dieses ist über das Planungsstadium nie hinaus gekommen. Damit stellte also der T8 zwar den Höhepunkt, doch leider auch die letzte Evolutionsstufe der Baureihe dar.
Conchess Plymate Victoria wurde nur noch in Schweden 1990 und Italien in sehr kleinen Mengen verkauft, etwa 10 in Schweden, und auch in Italien wurden nicht viele verkauft.
Nach nicht einmal 10.000 produzierten Exemplaren war Conchess bereits Geschichte!
Quelle: C Computer Schach & Spiele / Heft 4 / August-September 1998 / Seiten 29-31 / Autor: Karsten Bauermeister und zusätzliche Informationen von Lars Hjorth.
Bilder von Thorsten Czub und Weiteren
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Monarch
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Conchess Prospekt
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Preisliste 1986
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T6 "Glasgow" Platine (Nachbau - Steve UK)
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T6 "Glasgow" Platine (Nachbau - Steve UK)
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Ambassador
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Escorter
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Module im Escorter
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Modulkonzept
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Monarch
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Monarch-Figuren
YouTube Video by Vince Gum


